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Verkehrsunfall: Sachverständigenkosten jetzt teilbar?

March 27, 2012
Rechtsanwalt Sven Danzeglocke
Rechtsanwalt Sven Danzeglocke

Wenn es zu einem Verkehrsunfall kommt, steht für die Unfallbeteiligten in vielen Fällen sofort fest, wer Schuld hat: Der Andere. Irgendwie stimmt es ja auch oft, denn tatsächlich tragen häufig alle Unfallbeteiligten ein Stück dazu bei, dass ein Unfall passiert. Wenn die rechtliche Wertung in diesen Fällen nicht zu einer Alleinhaftung eines der Beteiligten führt, wird gequotelt. Die Kosten für die Beseitigung des eingetretenen Schadens werden also zwischen den Parteien entsprechend der jeweiligen Mithaftung aufgeteilt. Beim Fahrzeugschaden war dies allgemein anerkannt. Allerdings gibt es auch Schadenspositionen, bei denen man durchaus diskutieren kann, ob diese nicht auch im Fall einer eigenen Mithaftung von der Gegenseite in voller Höhe zu erstatten ist. Bekanntestes Beispiel: Die Kosten des Schadensgutachtens. Einige Gerichte haben die Auffassung vertreten, der Geschädigte könne diese Kosten auch bei einer Mithaftung in voller Höhe ersetzt verlangen. Argument: Selbst wenn der Geschädigte letztlich nur einen Teil seines sonstigen Schadens ersetzt bekommt, ist es zunächst einmal erforderlich, den ganzen Schaden bewerten zu lassen. Denn erst wenn man weiß, wie hoch der Schaden ist, kann man unter Berücksichtigung der Haftungsquote ermitteln, in welcher Höhe ein Schadensersatzanspruch gegeben ist. Das Argument lässt sich hören, wenn auch die Haftpflichtversicherer hier relativ schwerhörig sind.

Jetzt hat der Bundesgerichtshof (BGH) diese Frage abschließend geklärt. In seinem Urteil vom 07.02.2012 (Aktenzeichen VI ZR 133/11) hat der BGH entschieden, dass im Falle einer nur teilweisen Haftung des Schädigers dieser dem Geschädigten die Sachverständigenkosten ebenso wie die übrigen Schadenspositionen nur entsprechend der Haftungsquote zu ersetzen hat. Der BGH weist in seiner Entscheidung darauf hin, dass es für die anderslautende Auffassung keinerlei Anknüpfungspunkte im Gesetz gibt. Oder anders: Es gibt keinen Grund, die Sachverständigenkosten anders zu behandeln als die übrigen Schadensersatzpositionen. In der Praxis bedeutet das, dass der Geschädigte eines Verkehrsunfalls Gefahr läuft, einen Teil der Sachverständigenkosten nicht ersetzt zu bekommen. Ist also absehbar, dass es zu einer Quotelung kommt, muss nun sorgfältig abgewogen werden, ob ein Sachverständiger beauftragt werden soll oder ob man das Fahrzeug von einem von der Versicherung gestellten Sachverständigen untersuchen lässt. Während der selbst gewählte Sachverständige – dessen Kosten nun zum Teil auch durch den Geschädigten selbst zu tragen sind – im Rahmen des Vertretbaren eher zugunsten des Geschädigten kalkuliert, wird der von der Versicherung bezahlte Sachverständige – günstigenfalls ebenfalls im Rahmen des Vertretbaren – den Schaden geringer bewerten. Bei dieser Abwägung wird man neben der Höhe der zu erwartenden Sachverständigenkosten und der realistischen Mithaftungsquote auch die Schadenshöhe zu berücksichtigen haben. Hier kann der Verkehrsanwalt aufgrund seiner Erfahrung eine Empfehlung aussprechen und gegebenenfalls erforderlichen Streit vor Gericht austragen.