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Mit dem Mobiltelefon auf Dienstreise

February 1, 2013
Rechtsanwältin Nadine Degiorgis
Rechtsanwältin Nadine Degiorgis

Es klingt auf den ersten Blick zu schön um wahr zu sein: Telefonieren mit den Liebsten und steuerrechtlicher Gewinn in einem. Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofes können Telefonkosten des Mobiltelefons, die bei einer beruflich bedingten Auswärtstätigkeit anfallen, in der Steuererklärung als Werbungskosten abgesetzt werden.

Grundsätzlich können als Werbungskosten alle Aufwendungen geltend gemacht werden, die zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der beruflichen Einnahmen dienen. Bewertet wird das nach den Umständen des Einzelfalls. Als ausreichend anerkannt wird ein steuerlich-rechtlich zulässiger wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen Ausgabe und Anlass. Absetzbar sind damit alle beruflich bedingten Kosten. Ausgenommen sind grundsätzlich jedoch solche Kosten, die vorwiegend der privaten Lebensführung dienen, wie zum Beispiel Miete, Nahrungsmittel und Telekommunikation.

Doch keine Regel ohne Ausnahme. Das deutsche Steuerrecht berücksichtigt, dass es Kosten gibt, die sowohl dem privaten wie auch dem beruflichen Leben des Arbeitnehmers zufallen. Auch hier wird eine Einzelbewertung des Ursachenschwerpunkts durchgeführt. Das heißt, wenn die Kosten eher durch die beruflicher Tätigkeit verursacht werden und weniger durch das normale private Leben, können sie nach dem EStG berücksichtigt werden. Daraus folgt, dass Gesprächen mit Angehörigen oder Lebenspartnern, auch wenn es sich dabei eigentlich um Anrufe aus dem privaten Bereich des Arbeitnehmers handelt, als Werbungskosten aufgeführt werden können.

Doch Vorsicht, nicht alle Gespräche sind davon erfasst. Zunächst muss der Arbeitnehmer länger als eine Woche beruflich bedingt abwesend sein. Erst dann wird der Anlass des Telefonats – die berufliche Abwesenheit von zu Hause – als wertiger eingestuft als der eigentlich private Zweck des Anrufs, der Kontakt mit der Familie. Die Ursache der späteren Telefonkosten wird also nicht im persönlichen Gesprächsbedarf gesehen, sondern darin, dass ein vis-a-vis Gespräch eben nicht möglich ist und stattdessen auf das Telefon zurückgegriffen werden muss. Ob der Arbeitnehmer sich im Ausland oder nur landesintern aufhält, ist dabei nicht ausschlaggebend.

Als nächstes müssen sich die Anrufe in einem zeitlichen Rahmen halten. Wie so oft kommen dabei Typisierungen des Steuerrechts zur Anwendung. Als „normaltypisch“ und damit ausreichend wurde im entsprechenden Fall ein wöchentliches Telefonat von 15 Minuten angesehen. Das sei mit einer ebenfalls absetzbaren Familienheimfahrt von Arbeits- zu Wohnstätte vergleichbar. Es lohnt also trotz aller Freude über die vertraute Stimme am Ohr ein Blick auf die Uhr, wenn eine steuerliche Geltendmachung geplant ist.

BFH Urteil vom 05.07.2012, VI R 50/10